Nägel: Gradlinige Schlägertypen mit Köpf(ch)en

Schraubi freigestellt

Obwohl das erste Mitglied der Schraubi-Familie laut Überlieferungen bereits zur Bronzezeit das Licht der Welt erblickte, können unsere Kollegen, die Nieten und Nägel, auf eine deutlich längere Befestigungstradition zurückblicken. Die ältesten Funde von Nägeln (aus Holz) sind über 7000 Jahre alt. Eine Zahl, die auch selbstbewussten Befestigungsprofis wie die Holzbauschrauben jung erscheinen lässt.

Von Kopf bis Fuß: Woraus bestehen Nägel (und Schrauben)?

Kopf, Schaft und Spitze: Anders als Schrauben mit Ihrem komplexen Gewinde sind unsere Freunde, die ehrgeizigen und standhaften Nägel, eher einfach gestrickt. Ihre messerscharfe Spitze ermöglicht eine Befestigung ganz ohne lästiges Vorbohren. Gleichzeitig weiß jeder Nagel, der etwas auf sich hält, sein „Köpfchen“ clever einzusetzen. Dieses verhindert, dass er im Eifer des Gefechts spurlos im Material verschwindet.

Nägel werden überwiegend aus kaltgeformtem Baustahl gefertigt. Für besondere Anforderungen gibt es außerdem Spezialisten aus Kupfer, Messing, Bronze und Edelstahl, die sich besonders für anspruchsvolle Aufgaben oder korrosive Umgebungen eignen. Auch wir Schrauben bestehen in der Regel aus Stahl, werden aber oft legiert oder gehärtet, da unser Gewinde höhere Festigkeit erfordert.

Nicht nur „Kopfsache“: Welche Arten von Nägeln gibt es?

Auch wenn Nägel, ähnlich wie Schrauben und Dübel, eher von der extrovertierten Sorte und somit echte Herdentiere sind, hat jeder Nagel einen individuellen Charakter, mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen:

  • Schaftform – Der Schaft entscheidet darüber, wie fest ein Nagel sitzt. Glatte Schäfte halten durch Reibung und lassen sich bei Bedarf wieder entfernen; Rillen, Gewinde oder Widerhaken verankern sich so tief im Material, dass die Verbindung kaum noch lösbar ist. Sie erhöhen die Auszugsfestigkeit deutlich und erschweren das zerstörungsfreie Lösen.
  • Kopfform – Breite Köpfe verteilen die Kraft auf einer größeren Fläche und verhindern, dass der Nagel ins Material einzieht. Kleine, flache Köpfe verschwinden optisch im Untergrund.
  • Beschichtung – Für den Innenbereich sind Nägel aus galvanisch verzinktem Stahl meist ausreichend. Im Außenbereich sind feuerverzinkte Nägel die zuverlässigere Wahl, da die Zinkschicht deutlich dicker und widerstandsfähiger ist.

Ob rostfreie Nägel für das Anbringen von Dachlatten oder extra-robuste Stahlnägel für Betonarbeiten: Welches Mitglied der Familie „Nagel“ der richtige Ansprechpartner ist, hängt immer von der Arbeitsumgebung ab.

Nägel für Holz – Drahtstifte, Schraubnägel, Rillennägel

Für Holzverbindungen stehen mehrere Nageltypen zur Verfügung, die sich in Haltekraft und Einsatzbereich deutlich unterscheiden und bewährten Befestigungsmitteln wie Holz- und Holzbauschrauben durchaus Konkurrenz machen:

Nagel

Merkmale

Einsatz

Drahtstift

Glatter Schaft, kleiner Kopf; hält durch Reibung

Dünne Holzbauteile, Leisten, Dreikantleisten

Schraubnagel

Gewinde am Schaft dreht sich beim Einschlagen ins Material – höhere Auszugsfestigkeit als der Drahtstift

Harte oder trockene Hölzer, Holz- und Spanplatten

Rillennagel / Kammnagel

Ringförmige Rillen oder Widerhaken am Schaft; sehr hohe Haltekraft, kaum noch lösbar

Tragende Holzkonstruktionen, Balkenschuhe, Lochplatten

Palettennagel

75–90 mm lang, oft feuerverzinkt; für hohe Scherkräfte ausgelegt

Palettenbau

 

Bei schmalen Leisten und Dreikantleisten ist es sinnvoll, einen dünneren Nagel zu wählen. Ein zu dicker Schaft wirkt wie ein Keil, drückt die Holzfasern beim Einschlagen auseinander und spaltet das Holz, besonders wenn es trocken oder bereits vorbelastet ist.

Leichtbauplattennägel, Dachpappennägel, Betonstahlnägel

Alle guten Dinge sind drei. Das gilt insbesondere im Bau. Hier zählen vor allem folgende Eigenschaften: Witterungsbeständigkeit, Haltekraft und Materialverträglichkeit. Wie immer, wenn es hart auf hart kommt, schickt die Nagel-Familie auch hier ihre robustesten Vertreter ins Rennen.

Nagel

Merkmale

Einsatz

Leichtbauplattennagel

Breiter, flacher Kopf verringert das Risiko, dass der weiche Gipskarton einreißt; wird ins tragende Holzgefüge dahinter eingeschlagen

Gipskarton; für schwerere Lasten Hohlraumdübel verwenden

Dachpappennagel

Breiter Tellerkopf verhindert, dass der Nagel durch die Dachpappe rutschen kann

Dachpappe, Bitumenbahnen, Dachlatten; mindestens 2 Nägel pro Kreuzungspunkt bei 60 cm Sparrenabstand. Richtet sich aber nach Material, Untergrund und Verlegevorgaben

Schiefernagel

Großer Rundkopf, gerillter Schaft; für Schiefer sollten korrosionsbeständige und materialverträgliche Befestigungsmittel verwendet werden, um Verfärbungen und Schäden zu vermeiden.

Schieferplatten an Dach und Fassade

Betonnagel

Gehärteter Stahl, besonders spitzer Schliff, oft unterbrochene Längsriffelung

Leichte Befestigungen in weniger festem Beton; bei anspruchsvollen Untergründen sind abgestimmte Befestigungssysteme wie Dübel und Betonschrauben oft die sicherere Wahl.

 

Bei Dacharbeiten solltest du am besten verzinkte Nägel einsetzen. Feuerverzinkte Nägel sind hier in der Regel die bessere Wahl, denn die Zinkschicht fällt dicker aus als bei galvanisch verzinkten Nägeln.

Das gewisse Etwas: Ziernägel – Polster- und Dekonägel

Ziernägel verbinden Funktionalität mit einem schicken und modernen Look. Ihr ornamentierter Kopf aus Messing, Chrom oder Bronze ist dabei DER Hingucker schlechthin.

Nagel

Merkmale

Einsatz

Polsternagel

Breiter, dekorativer Kopf – Befestigungsmittel und sichtbarer Blickfang zugleich

Stoffe, Leder oder Kunstleder auf Holzrahmen von Sesseln, Sofas oder Kopfteilen

Dekonagel

Meist Messing oder vernickelt; regelmäßige Kopfreihen erzeugen einen optischen Rhythmus

Möbel, Bilderrahmen, Schmuckkisten

Messingnagel (Modellbau)

Sehr feine Miniaturversion, etwa 0,7 × 10 mm; nicht magnetisch und korrosionsbeständig

Gleismaterial, Schiffsmodelle, Architekturmodelle

 

Wie in jeder guten Werkzeug-Familie gibt es auch unter den Nägeln nicht nur harmoniebedürftige Typen, sondern auch liebenswerte Eigenbrötler.

Kerbnägel: Halbrundkerbnägel und Senkkerbnägel

Die sogenannten Kerbnägel machen ihrem Namen alle Ehre. Denn, obwohl sie alles daransetzen, den gültigen DIN- oder ISO-Normen zu entsprechen, haben sie meist einiges auf dem Kerbholz. Statt sich wie ein 08-15-Nagel einfach nur einschlagen zu lassen, bestehen die gemäß DIN-/EN- und ISO-Normen gefertigten Nägel stets auf einem Logenplatz in einem für sie vorgefertigten Bohrloch.

In der Praxis unterscheidet man zwischen Halbrundkerbnägeln und Senkkerbnägeln, kernige Typen, von denen jeder seinen eigenen Kopf hat: Während der Halbrundkerbnagel (DIN 1476 / ISO 8746) mit seinem gewölbten Kopf sichtbar auf der Oberfläche bleibt und vor allem im Maschinenbau, Fahrzeugbau und in der Elektrotechnik zum Einsatz kommt, schließt der Senkkerbnagel (DIN 1477 / ISO 8747) bündig mit der Oberfläche ab.

Kerbnägel: Halbrundkerbnägel und Senkkerbnägel

Nägel sind immer dann gefragt, wenn es schnell gehen muss. Zusammen mit dem guten, alten Hammer sind sie unschlagbar, um in Kürze haltbare und dauerhafte Verbindungen herzustellen. Seitlichen Belastungen (so genannte Scherkräfte) halten sie problemlos stand. Brenzlig wird es in Situationen, in denen hohe Zugkräfte auftreten. Hier sind wir Schrauben definitiv die bessere Wahl. Gemeinsam mit unserer über alles geliebten Mutter sorgen wir für zugfeste, bei Bedarf lösbare Verbindungen. Und wenn wir einmal nicht mehr weiterwissen, etwa bei spröden Untergründen, sind wir uns nicht zu schade, um Hilfe zu bitten. Unsere Kumpels, die Dübel, stehen uns dann gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Nägel mit Köpfen machen: Tipps für die Praxis

Auch der erfahrenste Nagel kann nur dann sein volles Potenzial entfalten, wenn er richtig eingesetzt wird. Wie in jeder guten Love-Story bringt auch hier jede Beziehungsphase ihre eigenen Herausforderungen mit sich:

  1. Dating: Ein Nagel, der etwas auf sich hält, will standesgemäß eingesetzt werden. Als grobe Faustregel sollte die Nagellänge etwa dem 2,5- bis 3-Fachen der Dicke des oberen Bauteils entsprechen. Schaftprofil, Durchmesser und Material müssen zum Untergrund passen – und im Außenbereich gilt: nur verzinkte oder Edelstahlnägel, das ist hier das „bare minimum“.
  2. Kennenlernen: Hammer am Stielende greifen, den Nagel zunächst fixieren, dann mit Schwung einschlagen. Bei hartem Holz hilft eine Vorbohrung, bei Betonnägeln muss ein schwerer Hammer oder ein Bolzensetzgerät ran – genau wie bei den robusten Betonschrauben im Elbtunnel, ist Fingerspitzengefühl hier fehl am Platz.
  3. Trennung: Nageleisen oder Kuhfuß mit einem Holzklotz als Widerlager schützen die Oberfläche. Tief versenkte Nägel lassen sich von der Rückseite mit dem Durchschlag heraustreiben.

 

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eines nicht vergessen: Ein Nagel geht keine halbherzigen Verbindungen ein.

Wer sich später wieder ohne großes Trara trennen möchte, ist bei uns Schraubis definitiv besser aufgehoben. Schließlich lassen wir uns nur ungerne „festnageln“. Ich, Schraubi, die Fensterbauschraube, unterstütze dich gerne bei deinem nächsten Bau- oder DIY-Projekt.

Weitere Informationen zu passenden Befestigungsmitteln finden sich im Shop.